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krank

Ich fühle mich richtig krank. Wie ein Kind, das 5 Stunden an einem eiskalten Bahnhof auf einen verspäteten Zug warten musste und jetzt endlich von der schützenden Wärme des Autos seines Vaters umschlossen wird, der ihn abholen gefahren ist. Ich fühle mich kalt und zittrig, weinerlich und hilflos. Ich wünschte man würde mich in eine dicke Decke wickeln, mir eine Wärmflasche machen, meine tropfenden und vor Kälte klammen Klamotten sehen und sie über eine Heizung hängen. Dann wünschte ich mir, man würde mir einen warmen Kakao mit Sahne geben, sich an mein Bett setzen und mich dabei begleiten, wie es langsam wieder besser wird. Leider waren die fünf Stunden zwei Jahre. Kälte kam auch häufig in ihnen vor aber sie war bei weitem nicht das Schlimmste der Dinge, die passiert sind. Leider holt mich auch niemand ab, manche Menschen stehen mir bei, aber den Weg ins Warme musste ich alleine finden und den weiteren Weg auch. Und ein ganz schwieriger Punkt sind die Klamotten. Die zweite Haut, die sich in diesen zwei Jahren über meine gelegt hat. Niemand sieht sie und nimmt ihr ihr Grauen. Niemand kann mir helfen, sie abzubekommen, sie klebt an mir und zieht mich immer wieder in ihre Zeit zurück. Wenn sie nur endlich jemand sehen wollen würde, wenn ich nur endlich jemandem erzählen könnte aus welchen Fäden sie gestrickt ist.

12.1.12 17:22


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2011

Jetzt ist es dann wohl wirklich bald so weit. Bald ist dieses Jahr vorbei. Es war eines der schlimmsten Jahre meines Lebens. Vielleicht sogar das aller Schlimmste. Die ersten fünf Monate gefangen in dieser furchtbaren Gewaltwelt und nebenbei der Druck durch die Vorbereitungen auf die letzten entscheidenden Klausuren, dann auf die Abiprüfungen, dann die Prüfungszeit selbst. Die Prüfungszeit in der sie wusste, dass ich sie nicht verlassen würde, weil ich das neben dem Abi niemals geschafft hätte. Also die Prüfungszeit, in der die ganze Situation mit ihr noch mehr eskaliert ist. Dann dieser schlimme Streit in der Nacht auf den Tag, an dem ich meine Abiturnote hätte erfahren können. Der Tag an dem ich sie nicht erfahren habe, weil ich stattdessen mit der J. meine Sachen in große blaue Säcke gepackt habe während der Picasso verwirrt um uns herum gerannt ist. Danach die zwei Wochen ohne Kontakt, dann die Wochen, in denen wir wieder Kontakt hätten und ich fast noch mal in das ganze hinein gerutscht wäre. Und dann die furchtbare Zeit in der Klinik. Anders kann ich es nicht nennen. Noch nie zuvor musste ich so viel Angst aushalten, ich wusste gar nicht, dass es möglich ist so unendlich viel Angst zu haben. Die vielen Tage, an denen ich mir nichts mehr gewünscht habe, als dass sie endlich vorbei gehen würden. Die vielen Tage, an denen es hieß „Sie müssen das jetzt aushalten Frau ****, einfach aushalten“. Noch nie habe ich so viele Tränen vergossen, noch nie habe ich so sehr gelitten, da bin ich mir sicher. Noch nie war ich mir so sicher, eine Veränderung in meinem Leben nicht überleben zu können. Noch nie habe ich mich einer Todesangst stellen und anderen Menschen blind vertrauen müssen, dass der Weg, den ich eingeschlagen habe der Richtige ist und er mich nicht umbringen wird. Nach diesen drei Monaten dann die Zeit hier in der Rehaeinrichtung. Eine Zeit die auch schwierig war, in der es mir aber schon wesentlich besser ging. Eine Zeit, in der ich mich hier etwas einleben konnte, in der ich nach und nach ein wenig Angst verlieren konnte. Ja und dann dieser Tag hier, er ist das Ende dieses Jahres. Es geht mir immer noch nicht gut, aber es geht mir besser. Besser als in jedem anderen Monat in diesem Jahr. Ich habe noch immer Angst, aber neben ihr haben sich andere Gefühle zu Wort gemeldet. Gefühle wie Hoffnung und Dankbarkeit. Besonders Dankbarkeit. Denn während dieser ganzen schwierigen, aussichtslosen und dunklen Zeit, gab es auch immer ein wenig Licht. Licht, das aus all den Menschen bestand, die mir durch diese schweren Tage hindurch geholfen haben. Erst waren es Menschen, mit denen ich trotz der ganzen Kontrolle sprechen konnte, weil sie mir zugehört und dennoch nichts gefordert haben, was ich noch nicht leisten konnte. Dann J. und A., die mich ganze zwei Monate bei sich aufgenommen haben. Ohne die vielen langen Gespräche mit der J., hätte ich es nicht geschafft. Ohne ihre ehrlichen Worte und ihre ganze Mühe hätte ich keine Chance gehabt. Aber sie war da. Und noch mehr Menschen waren da. Viele Freunde, die mich in diesen Wochen begleitet haben, meine Familie und meine Volleyballmannschaft. Auch wenn die mir unglaublich geholfen hat, ohne es überhaupt zu wissen. Dann waren da die vielen lieben Menschen in der Klinik. Die Mitpatienten, die mich so herzlich aufgenommen haben und so viel Anteil an meiner Geschichte genommen haben. Und natürlich die Frau Dr. S., die sicherlich beste Ärztin der Welt. Ihre liebevolle Art, ihr Verstehen und ihre aufbauenden Worte haben mir das Leben gerettet, da bin ich mir ziemlich sicher. Aber auch alle anderen Menschen, die mich während der Zeit in der Klinik begleitet haben. Ganz besonders wichtig war dabei mein Papa. Ich hätte das nie vorher sagen können, aber sobald ich ihm einen Einblick in meine Situation gewährt habe stand er hinter mir und hat mir unglaublich viel geholfen. Es war so wichtig und wunderschön, zu spüren, dass ein Elternteil hinter mir stand. Und das tut er noch immer. Er und meine Großeltern kümmern sich so lieb um mich, sind so lieb für mich da. Ich bin so froh, sie wiedergefunden zu haben und ich bin unendlich dankbar für ihre ganze Hilfe. Und jetzt sind da auch noch die Menschen von der Rehaeinrichtung, die mir schon viel geholfen haben und mit deren Hilfe ich hoffentlich noch viel weiter kommen werde. Und so schlimm dieses Jahr auch war muss ich zugeben, dass ich vielleicht nie erfahren hätte, wie wundervoll sich die Hilfe von so lieben Menschen anfühlen kann und wie viele Menschen trotz allem hinter mir standen, wenn irgendetwas anders gekommen wäre, als es gekommen ist. Ich verlasse 2011 also froh darüber, dass es zu Ende ist, in der Hoffnung dass viel von dem Schrecken, den es geborgen hat auch in diesem Jahr bleiben wird und mit einer unendlich großen Dankbarkeit vielen wundervollen Menschen gegenüber.
31.12.11 18:30


Lichtblick

Ich bin so froh, dass ich Weihnachten überstanden habe. Endlich ist es vorbei. Aber jetzt kommt Sylvetser und das ist vergleichbar schlimm. Ich fühle mich so furchtbar dabei sie an Sylvester alleine zu lassen, aber wenn mir das letzte Sylvester in den Sinn kommt, mit den Drohungen und der Zurückweisung und der Angst, dann weiß ich, dass es auch nicht richtig wäre Sylvester mit ihr zu verbringen. Oder ich versuche zumindest es zu wissen.

Morgen Vormittag bringt mir meine Mama meinen kleinen Bruder für ein paar Stunden vorbei. Darauf freue ich mich schon total. Ich kann ihm sein Weihnachtsgeschenk geben und ihn vorallem endlich mal wieder sehen. Ich hab sogar extra für ihn gebacken. Es ist so schwierig an ihn ranzukommen, während der Kontakt zu meiner Mama so schwer ist, weil er mit seinen 9 Jahren einfach noch zu klein ist um selbst großartig etwas zu organisieren oder ein eigenes Handy zu besitzen. Ich habe den kleinen jetzt schon ewig nicht gesehen, dabei hab ich ihn so lieb. Das ist wirklich ein kleiner Lichtblick für mich, dass er morgen vorbei kommt. Dann kann er auch endlich mal sehen wo ich jetzt wohne. Und das ich meine Mutter dadurch sehen muss.. naja irgendein Haken muss ja an der Sache sein. Trotzdem freue ich mich auf morgen.

30.12.11 15:20


I wish there were no chrismas

 

Als ich ein Kind war hatte Weihnachten so einen Zauber. Wenn ich am Morgen vom 24. zum Bäcker gelaufen bin hab ich alle Menschen um mich herum angesehen und mich gefragt, ob sie sich jetzt auch denken, was für eine Besonderheit dieser Tag hat und dass es toll ist ihnen an so einem Tag über den Weg zu laufen, an den man sich ganz lange erinnern wird. Das ist wie mit Geburtstagen nur noch besonderer. „Was hast du letztes Jahr an Weihnachten gemacht?“ wird man oft gefragt, aber nie „und was hast du letztes Jahr am 03.08 gemacht?“ nicht wenn dieser keine Bedeutung hat, und die hat er sicher für viele nicht. Weihnachten dagegen hat ganz allgemein in Deutschland eine Bedeutung. Das fand ich immer faszinierend. Ich wünschte Weihnachten hätte diesen Zauber nie verloren. Weihnachten, das Fest der Liebe, das Fest, das man mit seiner Familie feiert. Entweder hat es seinen Glanz verloren, weil ich erwachsen geworden bin, oder weil es sich mir von einer ganz anderen Seite gezeigt hat. Getrennt von meiner Familie und voller Angst. Die letzten zwei Jahre haben mir mein Weihnachten weggenommen, sie haben ihm sein Schimmern gestohlen. Und jetzt sitze ich am 23.12 hier, blicke auf die Uhr und wünschte die nächste halbe Stunde würde nicht mehr rumgehen, damit es bloß nicht Weihnachten wird.
23.12.11 23:31


gebrochen

Ich will meine Vergangenheit nicht mehr haben. Ich kann sie nicht ertragen. Ich kann mich nicht ertragen, so lange sie an mir klebt und ich ihr nicht entkommen kann. Ich kann mir nicht verzeihen, dass sie ist wie sie ist, kann nicht begreifen wie sie ist, weil sie viel zu schlimm ist.

Wenn Menschen um mich herum von Trauma sprechen, dann ist ein schlimmes Erlabnis gemeint. Und wenn es zwei schlimme Dinge gab, dann sind es zwei Traumata. Aber was wenn diese Grausamkeit monatelang mein Alltag war? Ich kann nicht zählen, wie oft es zwischen uns eskaliert ist. Es gab keine Woche, in der es nicht passiert ist, manchmal gab es nicht mal Tage, an denen es nicht passiert ist. Fast zwei Jahre war ich in dieser Gewaltwelt gefangen. Das sind um die 100 Wochen und ich will nicht wissen wie viele Tage. Wie kann ich damit weiterleben? Im Arztbrief von der Klinik steht "man könnte es so umschreiben, dass ihre dominante Freundin sie verbogen bis hin zu gebrochen hat" Genauso fühle ich mich. Gebrochen. Ich kann nicht mehr, kann nicht mehr aufstehen, wie soll das alles bloß weiter gehen? Es ist viel zu schlimm. Am liebsten würde ich die Augen schließen und einfach aufhören zu leben.

Wie traurig muss euer Lied sein? Man müsste viel schreien, das Leid passt nie rein. Kein Lied kann so tief sein.

21.12.11 21:20


Weihnachtsangst

Ich fühle mich so leer. Ich will von nichts etwas wissen, was in mir ist. Die Erinnerungen, die Gedanken, die Ängste, sie sollen nicht tatsächlich zu mir gehören. Ich will all das nicht mehr haben. Ich will nicht wissen, wie man sich fühlt, wenn man vierundzwanzig Stunden am Tag Angst hat, wenn jede kleinste Handlung fruchtbare Folgen haben könnte, wenn man vor Freunden nie die Wahrheit oder eine eigene Meinung sagen darf, weil man weiß, was ansonsten geschieht, sobald alle weg sind. Ich will nicht wissen, wie es ist wenn das eigene Zuhause, in das man so viele Hoffnungen und Liebe gesteckt hat auf einmal zu einem Schauplatz des Schreckens wird. Ich will nicht das Gefühl kennen an der verschlossenen Haustür zu rütteln und  zu hoffen, sie könnte aufbrechen, damit man fliehen kann. Ich will nicht wissen wie es ist zu hoffen, dass die Nachbarn endlich die Polizei rufen, die einen schützen könnte. Ich will auch nicht wissen wie es ist nachts um drei bei Minusgraden aus der Wohnung geworfen zu werden und dann stundenlang in der Kälte herumzulaufen und sich nicht zu trauen zurück „nach hause“ zu gehen. Ich will all das nicht kennen und will deshalb genauso gelassen wie mein Papa und meine Großeltern damit umgehen können, dass mein Onkel ein Mensch wie sie ist. Ein Mensch der all diese Dinge verursacht hat, die ich und all die Menschen, denen er das angetan hat nicht kennen wollen. Ich will nicht in seiner Nähe sein, ich will mich nicht normal mit ihm unterhalten während ich weiß, dass er unbegreiflich großes Leid verursacht hat. Er gehört ins Gefängnis und nicht wohlbehalten zurück in seine liebevolle Familie. Ich will nicht mit ihm Weihnachten feiern müssen. Nicht ausgerechnet Weihnachten, das sowieso immer so schrecklich schwer war mit ihr. Weihnachten, an dem so furchtbare Bilder haften. Ausgerechnet das soll ich mit ihm feiern können. Das kann ich nicht, das kann ich einfach nicht.
18.12.11 21:17


I need you

Mein Bauch tut weh, mir ist schlecht, ich will so gerne mit ihr sprechen. Ich will hören das alles okay ist, dass meine Angst umsonst ist. Mir ist schlecht wie als hätten wir gestritten und ich würde jetzt verzweifelt darauf warten, dass sie in ICQ online kommt und mir schreibt das alles wieder okay ist. Oder wie als wäre sie bei F. und ich wartend und weinend bei meinem Papa und würde alle zwei Minuten auf mein Handy sehen, ob sie sich nicht doch meldet, weil sie lieber bei mir schlafen will. Inzwischen kann ich dieses furchtbare Gefühl benennen. Inzwischen weiß ich, dass nicht Liebe sich so grausam anfühlt, sondern, dass es Abhängigkeit ist, die so weh tut. Die macht, dass einem so schlecht wird vor Angst, dass man etwas fürchtet, wie als hinge das eigene Leben davon ab. Und sie macht auch, dass man die ganze Angst die man haben muss hinnimmt, wenn sich bloß nicht bestätigt, dass sie nötig war.

 

Diese Angst hat immer wieder nachgelassen, sie war furchtbar, stechend, hat mir den Atem genommen, aber jedes Mal konnte ich danach mit ihr sprechen und die Angst ist weniger geworden. Doch was ist jetzt? Wir haben schon so lange keinen Kontakt mehr und noch immer fühlt sich jeder Tag wie sterben an, an dem ich nicht ihre Stimme hören kann, an dem ich mich nicht versichern kann, dass alles zwischen uns wieder okay ist. Dass ich endlich keine Angst mehr haben muss.

13.12.11 14:02


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