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2011

Jetzt ist es dann wohl wirklich bald so weit. Bald ist dieses Jahr vorbei. Es war eines der schlimmsten Jahre meines Lebens. Vielleicht sogar das aller Schlimmste. Die ersten fünf Monate gefangen in dieser furchtbaren Gewaltwelt und nebenbei der Druck durch die Vorbereitungen auf die letzten entscheidenden Klausuren, dann auf die Abiprüfungen, dann die Prüfungszeit selbst. Die Prüfungszeit in der sie wusste, dass ich sie nicht verlassen würde, weil ich das neben dem Abi niemals geschafft hätte. Also die Prüfungszeit, in der die ganze Situation mit ihr noch mehr eskaliert ist. Dann dieser schlimme Streit in der Nacht auf den Tag, an dem ich meine Abiturnote hätte erfahren können. Der Tag an dem ich sie nicht erfahren habe, weil ich stattdessen mit der J. meine Sachen in große blaue Säcke gepackt habe während der Picasso verwirrt um uns herum gerannt ist. Danach die zwei Wochen ohne Kontakt, dann die Wochen, in denen wir wieder Kontakt hätten und ich fast noch mal in das ganze hinein gerutscht wäre. Und dann die furchtbare Zeit in der Klinik. Anders kann ich es nicht nennen. Noch nie zuvor musste ich so viel Angst aushalten, ich wusste gar nicht, dass es möglich ist so unendlich viel Angst zu haben. Die vielen Tage, an denen ich mir nichts mehr gewünscht habe, als dass sie endlich vorbei gehen würden. Die vielen Tage, an denen es hieß „Sie müssen das jetzt aushalten Frau ****, einfach aushalten“. Noch nie habe ich so viele Tränen vergossen, noch nie habe ich so sehr gelitten, da bin ich mir sicher. Noch nie war ich mir so sicher, eine Veränderung in meinem Leben nicht überleben zu können. Noch nie habe ich mich einer Todesangst stellen und anderen Menschen blind vertrauen müssen, dass der Weg, den ich eingeschlagen habe der Richtige ist und er mich nicht umbringen wird. Nach diesen drei Monaten dann die Zeit hier in der Rehaeinrichtung. Eine Zeit die auch schwierig war, in der es mir aber schon wesentlich besser ging. Eine Zeit, in der ich mich hier etwas einleben konnte, in der ich nach und nach ein wenig Angst verlieren konnte. Ja und dann dieser Tag hier, er ist das Ende dieses Jahres. Es geht mir immer noch nicht gut, aber es geht mir besser. Besser als in jedem anderen Monat in diesem Jahr. Ich habe noch immer Angst, aber neben ihr haben sich andere Gefühle zu Wort gemeldet. Gefühle wie Hoffnung und Dankbarkeit. Besonders Dankbarkeit. Denn während dieser ganzen schwierigen, aussichtslosen und dunklen Zeit, gab es auch immer ein wenig Licht. Licht, das aus all den Menschen bestand, die mir durch diese schweren Tage hindurch geholfen haben. Erst waren es Menschen, mit denen ich trotz der ganzen Kontrolle sprechen konnte, weil sie mir zugehört und dennoch nichts gefordert haben, was ich noch nicht leisten konnte. Dann J. und A., die mich ganze zwei Monate bei sich aufgenommen haben. Ohne die vielen langen Gespräche mit der J., hätte ich es nicht geschafft. Ohne ihre ehrlichen Worte und ihre ganze Mühe hätte ich keine Chance gehabt. Aber sie war da. Und noch mehr Menschen waren da. Viele Freunde, die mich in diesen Wochen begleitet haben, meine Familie und meine Volleyballmannschaft. Auch wenn die mir unglaublich geholfen hat, ohne es überhaupt zu wissen. Dann waren da die vielen lieben Menschen in der Klinik. Die Mitpatienten, die mich so herzlich aufgenommen haben und so viel Anteil an meiner Geschichte genommen haben. Und natürlich die Frau Dr. S., die sicherlich beste Ärztin der Welt. Ihre liebevolle Art, ihr Verstehen und ihre aufbauenden Worte haben mir das Leben gerettet, da bin ich mir ziemlich sicher. Aber auch alle anderen Menschen, die mich während der Zeit in der Klinik begleitet haben. Ganz besonders wichtig war dabei mein Papa. Ich hätte das nie vorher sagen können, aber sobald ich ihm einen Einblick in meine Situation gewährt habe stand er hinter mir und hat mir unglaublich viel geholfen. Es war so wichtig und wunderschön, zu spüren, dass ein Elternteil hinter mir stand. Und das tut er noch immer. Er und meine Großeltern kümmern sich so lieb um mich, sind so lieb für mich da. Ich bin so froh, sie wiedergefunden zu haben und ich bin unendlich dankbar für ihre ganze Hilfe. Und jetzt sind da auch noch die Menschen von der Rehaeinrichtung, die mir schon viel geholfen haben und mit deren Hilfe ich hoffentlich noch viel weiter kommen werde. Und so schlimm dieses Jahr auch war muss ich zugeben, dass ich vielleicht nie erfahren hätte, wie wundervoll sich die Hilfe von so lieben Menschen anfühlen kann und wie viele Menschen trotz allem hinter mir standen, wenn irgendetwas anders gekommen wäre, als es gekommen ist. Ich verlasse 2011 also froh darüber, dass es zu Ende ist, in der Hoffnung dass viel von dem Schrecken, den es geborgen hat auch in diesem Jahr bleiben wird und mit einer unendlich großen Dankbarkeit vielen wundervollen Menschen gegenüber.
31.12.11 18:30
 


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